Freitag, 15 Uhr – Bochum.

Nachdem die Vorbereitungen des Equipment-Verstauen sich langsam dem Ende nähern, machte ich mir ein wenig Gedanken darüber, wo ich denn morgen in Flensburg schlafen wollte. die bisherigen Hosts, die ich über warmshowers.org kontaktiert hatte, waren leider alle verhindert. Lediglich Lena, die ich ebenfalls über die Plattform angerufen hatte, wollte mich noch zurückrufen. Sehr viele andere Möglichkeiten gab es da natürlich nicht mehr. Hostel / Campingplatz / Nachtfahrt bis zum nächsten verlassenen Platz, waren die Alternativen. Als Lena mir dann bei ihrem Rückruf auch noch mitteilte, dass es bei ihr leider nicht ginge, da sie gerade bei ihren Eltern ist und eigentlich gar nicht in Flensburg wohnt, hatte ich mich eigentlich schon mit dem Gedanken abgefunden, ein paar Kilometer in der Nacht zu fahren. Immerhin würde ich erst gegen 21:45 Uhr in Flensburg ankommen, wenn die Bahn denn auch wirklich pünktlich kommt und wenn ich denn überhaupt in die Bahnen reinpasse. Letzteres machte mir am meisten Sorgen. Einen Platz zum Schlafen finde ich schon irgendwie. Aber, wenn ich gar nicht erst in die Bahn passe… Ich wischte den Gedanken bei Seite und fokussierte mich wieder auf das Tasche packen und abwarten auf Lenas zweiten Anruf. Diesmal wollte sie ein paar Freunde & Bekannte in Flensburg kontaktieren, die mich eventuell aufnehmen könnten. Genial!, dachte ich und blieb gespannt.

Irgendwann gegen frühen Abend schrieb sie mir dann, dass sie wen gefunden hätte. Madita, eine Bekannte von Lena, & ihr Hund waren in der Nacht vom Samstag nicht zu Hause, sodass sie mir den Schlüssel unter einen Blumenkasten legen wollte und mir die Adresse schrieb. Irre! Wahnsinn! Geilomat!, ich war wie von Sinnen. Der Einsatz von Lena und die freundliche Nachricht von Madita haben mich schon wieder an diesen denk an das Gute im Menschen-Gedanken erinnern lassen, der mich während meiner letzten Tour schon beschäftigt hatte. Einen Wildfremden Menschen einfach ins Haus & Bett einzuladen, den Schlüssel zu deponieren ohne zu wissen ob ich ein Mörder, Menschenfresser oder Schlimmeres bin. Ich würde aber auch nicht alleine da sein, da ihre Mitbewohnerin Jana vor Ort wäre. Die Nummer von dieser hat Madita mir prompt mitgeschickt.

Als gegen späten Abend alles verpackt und abgeklärt war, konnte ich gelassen und freudig mit ein paar Freunden anstoßen um meinen Urlaub zu feiern. Klingt irgendwie banal, oder? Schließlich ist es aber ja kein echter Urlaub, sondern eher eine Unternehmung, mein Projekt, unsere Freiheit.

Tag 1, Samstag der 08. September 2018 – Los gehts!

mach mal nicht so ein langes Gesicht!

Um 14:50 Uhr sind wir endlich gestartet. Nur etwa einen Kilometer würden wir heute mit dem Fahrrad absolvieren, da wir ja mit dem Zug nach Flensburg fahren wollten. Zuerst mussten wir den RE von Bochum HBF nach Dortmund HBF nehmen, was ziemlich entspannt ging. Als wir dann in Dortmund ankamen, hatten wir noch etwa eine Stunde Zeit, bis der nächste Zug kam. Dieser würde ein IC sein und stellte sich als ein ziemlich fieser Endgegner heraus. Den Wagon 3 gesucht und nicht gefunden, sprach uns direkt der Schaffner an, dass es heute kein Fahrradabteil gibt. Er half mir dabei mein Fahrrad durch die Tür zu wuchten und wollte mir dann auch bei meinem Anhänger helfen. Nach drei oder vier Minuten versuchen meinte er nurnoch, dass er mich so nicht mitnehmen könne. Was wäre denn, wenn alle mit so nem Ding ankommen würden!

passt!
sitzt!

DAS KLAPPT!, sagte ich wild entschlossen. Dadurch, dass ich im Zug stand und er draußen, zwang ich ihn einfach ein wenig zu meinem Glück. Irgendwie, mit etwas quetschen, drücken, hin und herjustieren hat es dann auf kosten einiger Reflektoren geklappt: Wir waren drin! Der nächste Schreck stand mir jedoch noch bevor, indem er mich fragte, ob ich ein Ticket für meinen Hund hätte. Ich hatte eigentlich immer gedacht, dass Hunde kostenfrei mitfahren dürfen. Da hatte ich mich aber wohl geirrt. Und das Ende vom Lied war: Woodstock reist doppelt so teuer wie ich, da er ja kein Sparticket mehr erhalten konnte

ein letztes Mal nichts tun

Alles in allem war die Fahrt mit dem IC aber angenehm: Keine überfüllten Wagons, kein anderer Hundeanhänger, der reingehievt werden musste und endlich Zeit etwas an meinem Blog zu arbeiten. Während ich also meinen Beitrag Gefühlte Freiheit fertig schrieb, lag Woody zu meinen Füßen und genoß es wohl noch einmal einfach nur zu faulenzen. Auch, wenn es mich etwas wurmte, dass ich nun insgesamt mit etwa 100€ mehr rechnen musste, die ich vorher überhaupt nicht einkalkuliert hatte, war ich ziemlich schnell in mein Tablet und den Beitrag vertieft. Ob er was geworden ist, kannst du am besten für dich selbst beurteilen.

das Rad!

Als wir dann um 19:15 Uhr am Hamburger HBF ankamen, halfen mir eine nette Mitreisende, mit der ich mich noch etwas unterhielt, sowie einige vom Bahnsteig, den Anhänger wieder hinauszuhebeln. Um 19:45 Uhr sollte unser nächster und letzter Zug abfahren, der uns direkt nach Flensburg bringen sollte. Da meine Mutter für das Wochenende ebenfalls in Hamburg war und vom gegenüberliegenden Gleis ein paar Minuten vor mir abfahren sollte, hatten wir uns dort auf ein Hallo-und-Tschüss verabredet. Leider hat der Gleiswechsel bei mir jedoch so lange gedauert, dass es nicht mehr als ein Winken in die jeweilige Richtung war, während wir telefonierten. Wie schon am Bochumer & Dortmunder HBF, zogen wir natürlich alle Blicke auf uns. Einige sprachen uns auch an und fragten, nach unserem Vorhaben. Die erstaunten Blickte, als ich von den folgenden vier Wochen erzählte, waren natürlich vorprogrammiert.

Der letzte Zug, ein RE, war genau wie der erste. Sehr entspannt und die Mitreisenden im Abteil wollten die erste Stunde ausführlich über Woody & mich informiert werden. Nach einigen Geschichten, Woodys erstem Männchen, sowie erstes Abendessen in einer fahrenden Bahn, saßen wir uns ziemlich erschöpft neben unser Rad und warteten auf die Ankunft in Flensburg, die nur 5 Minuten nach Plan sein sollte. Dort angekommen, erkannte ich beim losfahren, dass nicht nur ein paar Reflektoren, sondern leider auch meine beiden Rücklichter, die ich an den Anhänger geklemmt hatte, die Reise im IC wohl nicht mit angetreten hatten. Nichts desto trotz machten wir uns natürlich auf den Weg und fuhren zu unserem nicht-anwesenden Host Madita, wo uns ihre Mitbewohnerin Jana herzlich in Empfang nahm.

Das Zimmer für die Nacht

Nach dem Verstauen des Gepäcks, Fahrrads und Anhängers, nahmen wir noch ein Glässchen Wein im Garten und unterhielten uns etwas. Besser gesagt, ich nahm ein Glässchen. Jana, war gerade erst vor einem halben Jahr von Berlin nach Flensburg gezogen. Dies aber nicht wegen Jobs, Freundes oder  Verpflichtungen, sondern weil sie es einfach wollte. Mit Flensburg hat sie definitiv eine gute Wahl getroffen! Wir unterhielten uns noch bis Mitternacht über meine anstehende Tour, wie schön Sie es in Flensburg hat und den üblichen kennenlern Smalltalk. Ich wünschte ihr mit einer Umarmung beim Gute-Nacht-Sagen alles Gute, da wir uns am nächsten Morgen wohl nicht mehr sehen sollten. Wenn ich in vier Wochen wieder in Flensburg sein sollte, wollte ich Sie und Madita auf ein Bier oder Wein einladen – wer weiß ob es klappt.

unser Zimmer für die Nacht

Woody rekelte sich natürlich vor dem Schlafengehen noch das ein oder andere Mal genüssliche auf dem Rasen, bevor wir zu Bett gingen. In unserem Zimmer, hatte er sich dann direkt für das Hundebett von Bootsmann, Maditas Hund, entschieden. Toller Name! Wäre es etwas größer gewesen, hätte ich mich bestimmt auch dazugelegt, so gemütlich wie es aussah. Ich machte mich Bettfertig, stellte mir einen Wecker auf 8:00 Uhr, den ich sicher das ein oder andere mal snoozen lassen werde und stieg ins Bett hinter der Holzwand. Woody wollte natürlich direkt hinterher und schaute sehr bedröppelt, als ich ihm das verweigern musste. Morgen wieder, mein Baby! Morgen im Zelt!

 

Tag 2, Sonntag der 09. September 2018 – Endlich wird geradelt… oder doch nicht?

Gartenliebhaber Woody

Als der Wecker dann wie abgemacht um 8:00 Uhr morgens klingelte, wollte sowohl mein Körper, als auch mein Geist noch gar nicht so recht aufstehen. Also beschloss ich den Wecker etwas weiter zu stellen und stand erst eine Stunde später auf. Nun aber hurtig! Eigentlich hatte ich Lena, die mich zu einem Kaffee eingeladen hatte, geschrieben, dass ich gegen 9:00 / 9:30 Uhr da sein wollte. Daraus wurde natürlich nichts, was ich ihr direkt mitteilte. Ich sprang unter die Dusche, machte mir einen Kaffee, schob Woody hinaus in den tollen Garten voller Blumen und herrlichem Rasen, packte die Sachen zusammen und trabte gaaaanz gemächlich um 10:30 Uhr los.

Lena, Woody & ich

Bei Lena, bzw. ihrem Elternhaus angekommen, wurde ich direkt mit einer Umarmung und einem schön heißen Kaffee empfangen. Ihre Eltern saßen mit am Tisch und waren gerade beim Frühstück, während sie mich über meine Tour ausfragten. Ich erzählte natürlich ausführlich über all meine Vorhaben, meinen Blog, die Entstehung und das was ich sonst so mache.

Woody erkundet den Garten

Nach dem zweiten Kaffee gingen Lena und ich dann etwas in den Garten, der unglaublich schön und nicht gerade klein war. Wie ein Schlauch zog er sich hinter dem Haus entlang und war überflutet mit Apfelbäumen, Tomatenpflanzen, Mirabellen und vielen anderen Sträuchern & Pflanzen. Ihre Eltern waren wohl noch nicht allzu lange in diesem Haus und gerade dabei ihn so richtig umzugraben, Bäume zu pflanzen und hatten sichtlich Spaß daran diesen zu hegen & zu pflegen.

So zu leben muss herrlich sein. Ein ruhiger Ort, ein schöner Garten und ganz viel Platz zum austoben für Woody, Kinder und Eltern.

Während wir etwas durch den Garten schlenderten und Lena immer wieder Handstände machte, erzählte sie mir ein wenig über sich. Neben dem AcroYoga ist sie leidenschaftliche Vintage-Rennrad-Fahrerin, hat allerdings auch schon Touren mit dem Rad und Equipment ihrer Eltern unternommen. Zuletzt war sie in Schweden, Finnland und dem Balkan unterwegs gewesen, was ich mir herrlich vorstelle. Wer weiß, vielleicht fahren wir da das nächste mal auch lang, denke ich mir. Momentan studiert Sie in Kopenhagen, wobei in den folgenden Monaten ein Auslandssemester in Bristol, England ansteht. Neben dem studieren und Fahrradfahren musiziert sie auch noch gern. Sie ist Hobby-Singer- & Songwriter und hatte sogar schon einige kleine Auftritte vor etwas Publikum in Flensburg. Sie bot an, mir ein paar Lieder zu zeigen, was ich natürlich nicht abschlagen wollte. Also gingen wir wieder an den Tisch in die Küche. Prompt holte Lena die Gitarre von Ihrem Bruder und fing an zu spielen. Drei Lieder sollten es werden, die ich mir während des Schreibens dieses Berichts, zwei Tage später, zum X-ten mal wieder anhöre. Wahnsinn! Powerstimme! Unglaublich! Ein Fuchs, wie ich bin, hab ich die Lieder natürlich aufgenommen und um ihre Erlaubnis gebeten, diese auf meinem Blog zu veröffentlichen. Ich bot ihr prompt an, wann immer sie möchte, sich bei mir einzunisten und ein kleines Konzert auf dem Dachboden oder der Terrasse  spielen zu können, um eine Bochumer Fanbase aufzubauen.

Lehn dich zurück und lausche der Wahnsinns-Stimme, die selbst in Smartphonequalität noch ziemlich hervorragend rüberkommt.

Nun aber…

… ging es los. Es war mittlerweile 14:00 Uhr geworden, womit ich anfangs gar nicht gerechnet hatte. Wir holten ihre Eltern, die sich meinen Anhänger, mit all den Gadgets, Modifikationen und mein Fahrrad, sowie übriges Equipment einmal genauer anschauen wollten. Ihr Vater, Felix, teilte mir bei einem Blick auf die Ritzel & Kette direkt mit, dass die nicht mehr all zu gut aussehen würden und nach der Tour sicher auszutauschen wären. Ich überspringe jetzt schon jeden zweiten Gang. Wir standen noch einige Minuten neben dem Rad und unterhielten uns. Ein Abschiedsfoto musste natürlich auch sein und nach einer herzlichen Umarmung, mehreren Winken und der Sonne über dem Haupt fuhren wir los in Richtung Grenze.

liebevolle Menschen, auf Bald!

Die ersten Kilometer

Nach wenigen Kilometern Fahrt kamen wir in Wassersleben an, wo ich Woody die Chance geben wollte etwas im Meer zu baden. In just diesem Moment kam eine nette junge Frau ebenfalls mit ihrem Fahrrad an, deren Name ich leider mir nicht notiert hatte. Ich muss mir sowas direkt aufschreiben, ich depp! Wir kamen direkt ins Gespräch und man konnte ihrem lächeln und strahlenden Augen ansehen, dass sie ein Mensch voller Freude und Glück ist.

Glücklich sein heißt nicht, zu suchen, wo sich das Glück versteckt hält.
Glücklich sein heißt, Glück in den Dingen zu sehen, die man hat.

Sie war leidenschaftliche Naturschützerin, sodass ich ihr direkt von meinem letzten Beitrag erzählte, in dem ich einige gesellschaftliche Marotten anspreche. Sofort wollte sie wissen, wie und wo mein Blog zu finden wäre und war auch von meiner gesamten Tour-story sichtlich begeistert, ja sogar etwas inspiriert möchte man meinen. Solche kleinen und großen Begegnungen sind es, die mich glücklich machen. Sie erweitern gewissermaßen meine Comfort-zone um einige Centimeter, da es ja nun einen Fremden Menschen weniger für mich auf der Welt gibt. Während die Naturschützerin sich umzog um schwimmen zu gehen, packten wir uns wieder auf / ans Fahrrad und fuhren weiter, denn ein wenig voran kommen wollten wir dann doch noch.

40 Kilometer und einige auf- und abfahrten später…

die Strecke von Sonntag, dem 09. September ’18

… waren wir am auserkorenen Ziel, einem Shelter direkt am Strand & Waldrand, wenige Kilometer hinter Apenrade. Während Woody sich am Strand vergnügte schlug ich unser Zelt auf und war damit beschäftigt alles für die Nacht vorzubereiten. Zelt & Stuhl aufbauen, Matratze aufpumpen, benötigtes Gepäck vom Anhänger und Rad in das Zelt packen, uvw… Dennoch geht das mitterweile auf Grund der Übung relativ schnell. Ich schätze, dass ich mittlerweile nicht länger als 20-30 Minuten brauche um alles fertig zu haben und entspannt im Stuhl oder Zelt sitzen zu können. Das Abendbrot gab es heute natürlich am Strand! Brot mit viel Butter und Käse oder Nutella. Wir saßen noch einige Zeit am Strand und lauschten dem Meer beim rauschen zu, bis wir um 21:00 Uhr dann zu müde wurden und ins Zelt verschwanden. Ein Glässchen Wein wäre fein gewesen…

 

Hier kommen nun ein paar Bilder von der Fahrt und dem Abend. Unter den Fotos kannst du, wie gewohnt, kommentieren, Wünsche oder Anregungen äußern, sowie zur nächsten Etappe gelangen.

der Strand von Wassersleben
es wird Herbst
Woody im Anhänger
unser Zeltplatz für die erste Nacht
die abendliche Aussicht aus dem Zelt. Herrlich!

Ich hoffe du hast den Text verschlungen und freust dich, genauso wie ich, auf unsere nächsten Erfahrungen und Berichte! Ich freue mich sehr über jeden Kommentar, Wunsch oder jede Anregung. Erzähl mir gerne von deinen Erfahrungen!

Hier geht die Reise weiter… Etappe 2 – Pli- Pla- Platti