Schön dich wieder zu sehen, sagte Santiago

Endlich finde ich wieder etwas Gedanken und Zeit um schreiben zu können, denke ich mir, während ich meinen Kaffee schlürfe und Woody beim Hunde-Zeitung-lesen im Park zusehe.

Seit meinem letzten Eintrag sind einige Dinge passiert, wie die Verfolgung durch den Camino de Santiago, der Nummer 8, den beiden besten Burgern aller Zeiten, einer schmerzhaften Lektion, verursacht durch einen Baum, sowie einer interessanten und spannenden Idee für eine Sprache aus dem 19. Jahrhundert.

Der Camino de Santiago verfolgt mich…

Da ich Sonntag Abend etwas länger wach war, um den Sonnenuntergang am Strand zu genießen, wollte ich mir etwas Zeit zum zusammenpacken lassen und genoss meinen Morgenkaffee im Nebel des Rheins, während ich den Umrissen der vorbeifahrenden Schiffe meine Aufmerksamkeit schenkte.

Als ich dann in Richtung Nijmegen gestartet bin, wurde schnell klar, dass dies ein wunderschöner, sonniger Tag werden wird. Auf meinem Weg traf ich auf eine sehr fröhlich schauende Frau, mit grau-weißen Haaren und sehr herzlichem Gesicht, die mit schwer bepacktem Rucksack und sehr motivierten Schritten die Straße entlang wanderte. Dies war die zweite Begegnung mit dem Camino de Santiago, da sie genau hierfür trainierte. 30 Kilometer wolle sie Heute laufen und so unbeschwert, wie es aussah könnte sie wahrscheinlich auch weiter pilgern. Sie überholte mich einige Male, während ich zum Fotos machen und in der Sonne entspannen anhielt und schenkte mir dabei immer wieder einen herzlichen Wink und ein strahlendes Lächeln. Ich liebe solche Menschen.

Fröhlichkeit ist eine der schönsten und glücklichsten Eigenschaften, die ein Mensch haben kann.

 

Best Burger #1:

In Nijmegen angekommen, beschloss ich meine Vorräte aufzufüllen und Woody einen neuen Napf zu kaufen, da ich den alten wohl während meines Aufenthaltes mit der Biertruppe am Abend zuvor vergessen hatte einzupacken. Während meines Durch-die-Stadt-schlenderns, sah ich ein sehr einladendes, kleines Restaurant mit etlichen Bierspezialitäten aus Belgien und den Niederlanden. Ich trank einige verschiedene Spezialbiere und war, wie bereits während meiner früheren Besuche in den Niederlanden erstaunt von der tollen Braukunst der hiesigen Brauereien.

Nebenbei bemerkt habe ich einen Burger gegessen, der alle bisherigen komplett in den Schatten stellt. Er war nicht nur lecker, er war… es gibt einfach kein Wort dafür.
Der erste Biss fühlte sich an, als wäre ich gerade in ein Regenbogenbecken voller verschiedenster Geschmäcke von Barbecue, Bacon, Angus Beef und der perfekten Mischung verschiedenster Salatsorten getaucht. Man möge mich für verrückt halten, aber selbst die Anordnung der Zutaten auf dem Burger war perfekt. Erst Beef, dann Cheese, dann Bacon, dann Salat, zwischendrin etwas Sauce und Zwiebeln. Wenn ich nicht schon Satt gewesen wäre, hätte ich mir sofort noch einen bestellt. In diesem Moment wusste ich jedoch noch nicht, dass ich nur einige Tage später einen Burger essen werde, den ich ähnlich genießen würde.

Leider habe ich den Namen des Restaurants vergessen, sodass ich während des Schreibens sehr lange via Googlemaps nach diesem gesucht habe. Erfolglos. Wenn ich jedoch noch einmal in Nijmegen bin, werde ich nicht aufhören danach zu suchen, so wie Ted, Barney, Marshall, Lilly und Robin es in einer Folge How I met your Mother taten.
Der Abschluss des Tages waren etwa 10 Kilometer Fahrradfahren, bevor ich einen geeignet Ort für mein Zelt gefunden hatte.

Der Camino spricht Esperanto

Dienstag sollte leider nicht so angenehm werden. Bereits nach wenigen Kilometern bemerkte ich, dass beide Reifen stark quietschten, sodass ich anhalten musste um nach zu sehen, was die Ursache war.
Schnell war klar, dass es die Bremsen waren. Während ich also dabei war das Fahrrad mehr und mehr auseinander zu schrauben und zu reparieren, kam mir eine junge Frau entgegen, die anhielt und sich nach meinem Problem erkundigte. Schnell kamen Sonja und ich ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass es erneut der Camino de Santiago war, der mich einholte.
Sie erzählte mir von Ihrem Pilgerweg und der Sprache Esperanto, sowie von dessen Gedanken, dass jeder, der diese spricht etwas gemein hat und diese eine Verbindung aller Völker und ihrer Menschen darstellen soll. Jeder der diese Sprache spricht ist gewissermaßen ein „Pilger der Welt“, den man zu sich einladen soll, wenn er eine Bleibe für die Nacht sucht. Hierfür gibt es sogar eine Liste aller Menschen, die diese Sprache sprechen, was die Suche und das Finden dieser „Esperanti“ erleichtert.
Wikipedia hat mir sogar geflüstert, dass es die wohl verbreiteste Plansprache der Welt ist und von den Nazis und Stalin stark missbilligt wurde. Nun, wen wunderts…

Nach gut 1- 2 Stunden, war mein Fahrrad wieder einsatzbereit, sodass ich mich wieder auf den Weg in Richtung Tiel machte, da Sonja mir empfiehl die Rheinseite zu wechseln. In Thiel angekommen fing mein Hinterrad, mit einem einsetzenden Regenschauer gepaart, erneut an zu quietschen. Da ich mitten in einem städtischen Gebiet war und somit keine Aussicht auf einen geeigneten Platz zum Wildcampen bestand, schwand meine sonst so gute Laune und Motivation, die ich sonst zumeist habe, dahin. Ich begab mich mittels Warmshowers.com und vriendenopdefiets.nl auf die Suche nach einem Host für die Nacht. Zu meinem Glück fand ich jemanden, der mich ab dem späten Nachmittag aufnehmen wollte, sodass ich nur die Zeit überbrücken musste.
Während des Wartens unter einem Vorsprung, umgeben von zerstörten und zugenagelten Fenstern, sowie einem undichten Glasdach begann ich erneut mein Fahrrad zu reparieren.

Besser eine Acht zu haben, als keine haben zu können!

Die Scheibe meiner Bremse hatte wohl einen Schlag abbekommen und sich an einigen Stellen etwas verzogen. Ich entschloss mich dazu herauszufinden, ob ich die Bremsbeläge so weit auseinanderziehen kann, dass die Acht in der Scheibe dennoch ohne Schleifen läuft. Gesagt, getan hat es zum Glück funktioniert und ich sagte meinem Host ab um weiterzuziehen und zumindest auf meine 30 Kilometer am heutigen Tag zu kommen.

Baum 1, Kai 0

Unter einem Baum schlug ich mein Zelt auf, was sich erst, nachdem alles zum nächtigen bereit war, als nur zu dumm erwies. Es war gewissermaßen das Duell Baum gegen meine Erinnerungsfähigkeit. Der Baum hat gewonnen. Nach fünf heftigen Kopfstößen habe ich die Lektion gelernt: einen Baum über sich zu haben ist schön und toll, da man viele Sachen zum abtropfen und trocknen aufhängen kann und der Regen einen nur wenig nässt, aber einen Ast über den Eingang zu haben ist, milde ausgedrückt: nicht so fein.

Und sonst so?

Der Mittwoch hat mir auf eine nasse Art die Hoffnung gestohlen und wurde mir dank zweier unglaublich netter und liebevoller Menschen mit einem paradisischem Haus zurückgeschenkt. Von Cor dem ehemaligen LKW-Fahrer & heutigem allround-Gärtner, seiner Frau Corry ehemals Kinderbuchautorin, Slot Loevestein und der Bücherkiste, zwei Swimming-Pools der etwas anderen Art und leckerem Aldi Bier, sowie meinen Erlebnissen von Donnerstag mit einem sehr lecker-Käsigem Ende dank Daan & Tess, werde ich in meinem nächsten Beitrag berichten.

Mit den Erlebnissen in der Fenix Food Factory, Woody als „Woodylicious Attraktion“ und einer Kneipenrunde mit Arjen in Rotterdam am Freitag, sowie der finalen Etappe am Samstag habe ich noch mehr Erlebnisse, die ich euch nicht vorenthalten werde.

Bleibt also am Ball, wenn Woodstock und ich unsere Schreibmaschine auspacken um weiter über unsere Reise, Bekanntschaften und Erlebnisse zu berichten.

Liebe Grüße aus Rotterdam

Kai & Woody

 


 

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