a rolling stone gathers no moss


Lange sitze ich vor meiner imaginären Mind-Map.
Sortiere Gedanken, grübel vor mich hin, fahre Fahrrad in den Feldern meiner Heimat, schaue Woody beim überm-Gras-rekeln zu, erfreue mich an ihm, grübel weiter, lächle, staune welche Energie in ihm steckt…
Woodstock… Mein Baby, mein Hund, mein Alles.
Egal was es werden wird, egal wohin ich gehe, egal was ich machen werde, er ist dabei. Das steht fest.
Die Sonne scheint, Woody springt ins Wasser, fischt einen Stock nach dem anderen heraus und wackelt mit dem Po, als wäre er die Glückseligkeit in Person.
Hunde wären die besseren Menschen, denke ich mir.

Ich setze mich wieder aufs Rad. Woody trabt neben mir, ohne Leine, ganz entspannt, glücklich lächelnd und hechelnd.
Ich denke immer wieder an den Spruch, der mich vor und während meiner Australienreise vor einigen Jahren geprägt hat…
„a rolling stone gathers no moss“, ein rollender Stein setzt kein Moos an.
Einfach und Sinnvoll.
Bleib in Bewegung.
Setz bloß kein Moos an.

Ich erwische mich erneut beim grübeln.
Sogar über das Grübeln, grübel ich.
Was ist der Unterschied zwischen Grübeln und Nachdenken?
Mir wurde einst gesagt: Wer grübelt, kommt nie zum Ziel. Wer Nachdenkt, der erhält auf kurz oder lang die Antwort.
Ich bin ein Kopfmensch.
Ich grübel immer.
Komme ich also nie zum „Ziel“?

Der Weg ist das Ziel, würde dann bedeuten, dass, wer grübelt, bereits am Ziel ist.
Bin ich also schon da?
Ist dieses grübeln, ständige hin- und herwerfen von Gedanken aller Art, mich zu beschäftigen mit den einfachsten Dingen der Welt, die für jeden anderen alltäglich und keinerlei Beachtung wert sind, mein Schicksal, mein Weg, das Ziel?
Und bedeutet, das Ziel zu erreichen, am Ende des Weges zu sein, nicht Stillstand?
Setz bloß kein Moos an.

Ich fahre weiter.
Atmen, lauschen, hinhören, zusehen, in die Pedale treten.
Woody läuft weiter neben mir, lächelt mich immer wieder an, als würde er sagen wollen, wie glücklich er beim laufen ist.
Halte erneut an, nicht mit meinen Gedanken.
Woody springt wieder ins Wasser, schüttelt sich, strahlt mich an.
Er weiß schon ganz genau, was wir machen werden, denke ich mir.
Ich streichel ihn, umarme ihn, sage ihm wie sehr ich ihn liebe.
Etwas Moos fällt mir auf den Schoß.

Woody lächelt, wackelt mit dem Po, flitzt über die Wiese ins Wasser.
Ich werfe einen Ast, doppelt so groß wie Woody, größer als ich es bin.
Die kleinen beißt er immer durch.
Er braucht Aufgaben.
Woody setzt niemals Moos an.

 


– 12 Tage später –

 

Schnarchend, fiepend und mit den Mundwinkeln zuckend liegt Woody neben mir auf seiner Matte im Zelt. Während ich diese Zeilen schreibe lasse ich den ersten Tag unserer Reise zum Ende des Rheinradwegs Revue passieren und grüble, wie so häufig, über bereits zurückliegende und noch bevorstehende Ereignisse und Erfahrungen.

Heute hatte Woody eine Aufgabe.
63 kilometer sind wir heute gefahren. Sicher die Hälfte davon ist er mitgelaufen.
Als wir das Zelt aufgeschlagen haben kam ein Pärchen mit einer kleinen Hundedame vorbei, die Woody natürlich 30 Minuten jagen musste. Unglaublich dieser Hund.
Mir scheint es manchmal so als würde er jedwede Liebe und Zuneigung ihm Gegenüber in Energie umwandeln. Woody kennt keinen Stillstand, nur wenn er muss.
Woody setzt niemals Moos an. Nur wenn er muss.

Hunderte Gänse fliegen über unser Zelt. Keine 10 Meter über unseren Köpfen.
„Niedrig fliegende Vögel bedeuten Regen!“ Das habe ich von Asterix und Obelix gelernt. Obs stimmt? Es sieht nicht nach Regen aus.
Könnte auch an dem Naturschutz- & Brutgebiet liegen, was direkt nebenan ist. Ich finde trotzdem das Asterix und Obelix recht haben.
Ich schaue auf die Uhr. Schon so spät?
Setz bloß kein Moos an, heißt es.

Doch heute Nacht werden wir genau das tun, um es morgen früh wieder abzuklopfen.

 


 

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