Es ist 20 Uhr am Donnerstag, dem 22.März 2018.

Cheers!

Mein guter Freund Björn, den ich immer Luiz nenne, da er mich an den brasilianischen Fußballspieler David Luiz erinnert, ist vorbei gekommen um meine Vorbereitungen anzuschauen und ein gemeinsames Bier mit mir und meinem Mitbewohner Flo auf Woodys und mein bevorstehendes erstes Bike-Out-Abenteuer zu trinken.

Auf Grund des ganzen Aufwands, das Fahrrad und den Anhänger für die Reise vorzubereiten, war mir gar nicht bewusst, wie schnell der Tag gekommen war.

Noch bis spät in die Nacht hinein war ich damit beschäftigt meine zuvor gemachte Excel-to-do- & Mitnehmliste abzuarbeiten.


 

Nun war es also soweit.

 


Ich war mir sicher, dass einige Dinge im Nachhinein vielleicht eher Last als Lust steigern würden, jedoch waren meine Gedanken eher vom Trieb „Vorsicht ist besser als Nachsicht“ besessen, als irgendwann im irgendwo zwischen dem Dort und Da zu sitzen und etwas sehnlichst zu vermissen. Hier und da war ich dennoch sehr sparsam. Ich wusste beispielsweise von meiner Australienreise, dass viele Klamotten mitzuführen das Gewicht nur unnötigt nach oben treiben würde. Auch wenn ich mir nicht sicher sein konnte, ob die nötige Wärme zum Trocknen der Kleidung kommen würde, war ich mir sicher, das ein oder andere während meiner Katzenwäschen oder Duschen mit waschen zu können.

Woody ist schließlich auch eine Decke…

Das hat in der Tat auch ganz gut geklappt, sodass der von mir vorgenommene Kompromiss meiner Klamottenwahl sich als gut und richtig erwiesen hat. Insgesamt hatte ich zwei lange, eine Regen-, eine Yoga & eine kurze Hose, drei T-Shirts, einige (Winter- & Trekking-)Socken, meinen Lieblingspullover, drei Unterbuchsen, ein dünnes Sweatshirt, meine grüne Frühlings-, sowie meine 2-in-1 Fleece- & Regen-Jacke dabei.

Eismaschine „Wassernapf“

Da es noch ziemlich kalt und keine Besserung in Sicht war, hatte ich mich ebenfalls für meine Winterschuhe entschieden. Zur Not wollte ich mir unterwegs irgendwo ein billiges Paar Sommerschuhe kaufen, was sich aller-dings an kaum einem Tag gelohnt hätte.

 

Bei der Entscheidung, welche Hygieneartikel ich mitnehmen wolle, gab es natürlich kaum Spielraum. Zahnbürste & -Pasta, (Reise-)Handtücher für Woody & mich, einen Waschlappen, Klopapier & Taschentücher, sowie Duschgel & Deo waren etwas, worauf ich auf keinen Fall verzichten konnte. Wer möchte denn schon morgens ohne Möglichkeit auf Deo, Haare waschen oder gar Zähne putzen den Tag beginnen? Ich nicht.

 

Zähneputzen nicht vergessen!

 

Vango Banshee 300

Schwieriger war die Entscheidung, welche essentiellen Komfort-Artikel ich erstehen und mitnehmen wolle. In einigen Bike(-packing) Facbook-Gruppen habe ich mich also an die Mitglieder gewand und nach einem geeigneten Zelt, sowie einer angenehmen Matratze gefragt. Die Reaktionen waren natürlich sehr unterschiedlich, sodass ich einige Tage damit verbringen musste, mir die Vorschläge genauer anzusehen und Rezensionen, sowie Daten auszuwerten & zu vergleichen. Am Ende hatte ich mich dann für das Zelt von Vango – Banshee 300 – und die Matratze von Therm-A-rest – Neo Air X Lite – entschieden. Gute Entscheidung! Das Zelt war nach etwas Übung sehr schnell auf- und abgebaut & auf der Matratze lies es sich hervorragend schlafen.

Viel Platz für Gepäck

Letztere ist allerdings in der letzten Nacht kaputt gegangen & muss noch geflickt werden. Wenn ich das nicht hinkriegen sollte, hätte ich mir für den Preis wahrscheinlich auch genauso viele Übernachtungen in Hostels leisten können… Mein Kissen, sowie den Schlafsack für die Nacht hatte ich noch von meiner Australienreise vor einigen Jahren, sodass ich hier kein Geld mehr investieren musste. Ich hatte mir zwar einen neuen, wärmeren Schlafsack bestellt, den ich jedoch aufgrund der Größe und des Gewichts wieder zurückgeschickt hatte. Auch wenn es Nachts sehr kalt war, hat mein eher für wärmere Regionen gedachte Schlafsack, gepaart mit den Wintersocken, der Yogahose & dem dicken Pullover relativ gut funktioniert. Kalte Füße hatte ich natürlich dennoch jede Nacht.

Unsere Betten

 

Einfacher war da die Wahl der Kochutensilien & des Essbestecks. Vor einiger Zeit hatte ich einen self-made-Gaskocher in einem Youtube Video gesehen. Bei diesem hat man lediglich aus einigen kleinen Schrauben, Muttern & einem Stück Holz für die Regulierung der Flamme, sowie einer herkömmlichen Gaskartusche eine eindrucksvolle & kleine Kochstelle gebastelt. Das wollte ich unbedingt machen, war allerdings zeitlich auf Grund meiner Arbeit & anstehenden Klausuren, nicht möglich.

Essbesteck, Kaffeekocher und Töpfe mit ausklappbarem Gaskocher & Gaskartusche

Einige Tage vor der Reise habe ich also im Internet gestöbert, welche Möglichkeiten es hierfür gibt. In Australien hatte ich eine eher unhandliche und schwere Kochstation, die ich so nicht einplanen konnte und wollte. Gefunden habe ich einen super leichten, handlichen und für eine Person vollkommen ausreichenden Gaskocher, sowie ein sehr funktionales Besteck. Was natürlich ebenfalls auf keinen Fall fehlen durfte, war die Möglichkeit Kaffee kochen zu können, wobei man hier sicher auch einfachere und leichtere Varianten wählen kann.

Frischer Kaffee mit leckerer Käse-Pesto-Pasta!

 

Powerbank, Tablet, Selfie Stick & Smartphone

Auch die Wahl der Elektrogeräte war ziemlich fix getroffen. Eine geeignete Powerbank war mit der Anker PowerCore 26800mAh schnell gefunden und schon im Dezember hatte ich mir das Huawei MediaPad M3 lite LTE, ein Logitech Bluetooth Tastatur-Case, sowie das Huawei P10 lite gekauft, um unterwegs gut schreiben und halbwegs akzeptable Fotos schießen zu können. Um auch Fotos von mir und Woody schießen zu können, hatte ich mir einen Selfie-Stick besorgt, den man ebenfalls als recht wackeliges Stativ mit Bluetoothfunktion benutzen konnte. Gerne hätte ich mir allerdings eine leichte System-/Spiegelreflex-Kamera mit Stativ geholt, welche auf meiner Prioritätenliste jedoch weiter unten steht und wohl erst im Laufe diesen Jahres dazukommen wird. Gescheite Nacht- oder wirklich gestochen Scharfe Fernaufnahmen waren daher nur begrenzt möglich.

Fahrradlichter & faltbares Campinglicht

Bei meiner Fahrradbeleuchtung, sowie Woddys Leuchthalsband hatte ich darauf geachtet, dass diese mit USB aufladbar sind. Mein Campinglicht benötigte jedoch vier externe Batterien, wodurch es trotz der Handlichkeit und Funktionalität etwas mehr Gewicht hatte, als zuvor gedacht. Dennoch hat es sich als sehr gute und ausreichende Lichtquelle herausgestellt, mit der ich auch weiterhin planen werde, sollte ich nicht durch Zufall etwas viel besseres entdecken. Auch meine beiden Rücklichter, welche ich an den Anhänger geklickt hatte, benutzen externe Batterien, sodass ich diese bald ebenfalls durch USB-Lichter ersetzen werde. Die eingepackten Ersatzbatterien, sowie meine Kopfhörer waren eher verschwendeter Platz und unnötiges zusätzliches Gewicht.

 

Für mein Fahrrad, sowie den Anhänger hatte ich mir während der vergangenen Monate schon Gedanken gemacht und mich eher für Low-Budget-Lösungen entschieden. Ein eher unkonventionell angeschraubter Gepäckträger, als auch die Fahrradtaschen waren relativ schnell gefunden und Preis-Leistungs-technisch sehr zufriedenstellend. Die beiden kleinen Rucksäcke an meinem Anhänger hatte ich schon vorher, sodass ich mich nur für einen geeigneten Fahrradrucksack etwas mehr bemühen musste.

Entschieden hatte ich mich dann für den Jack Wolfskin Moab Jam 30, der sehr gut sitzt, dessen Regencover man jedoch nicht bei stärkeren und länger andauernden Schauern trauen sollte. Der Schutz des Anhängers war allerdings absolut Wasserdicht, sodass ich nach dem ersten großen Regentag, alles mögliche darunter gestopft hatte, inkl. des Rucksacks.

 

Bei der Wahl bezüglich der Aufbewahrung unseres Proviants hatte ich mir recht schnell die Lösung überlegt, ein paar leichte, Luftdichte Tupperdosen zu besorgen und einen Haken in meinen Anhänger zu basteln, um dort eine kleine Tasche aufhängen zu können. Generell hat sich dieser als absoluter Gadget-Bringer erwiesen: Mit Kabelbinder an den Seiten angebrachte Minirücksäcke für Wasser, Werkzeug und sonstigen Kleinkram, die Aufbewahrungsmöglichkeit unter der Hundematte für Jacken, Woodys & meinen Napf, Tupperdosen und allem was man einfach irgendwie & irgendwo schnell verstauen wollte, die Möglichkeit des Anklemmens von Kleidungsstücken zum Trocknen, als auch der Platz zwischen Regencover & Anhänger war überragend! Es gab einige Zeiten, in denen ich fast meine gesamte Kleidung & alle Handtücher irgendwie um und auf den Trailer „hängen“ konnte, während Woody & ich fröhlich weitergetingelt sind.

Der „höhergelegte“ Woody

 

Ich entschied mich für etwa sieben Tage Hundefutter und der Möglichkeit bis zu acht Liter Wasser mitführen zu können, welches ich zum Waschen, Kochen & Trinken für Woody & mich (mit Sirup gemischt) benutzten wollte. Am Tag benötigte ich davon etwa 3-4 Liter, was auch davon abhängig war, ob Woody aus Pfützen oder Gewässern trinken konnte, oder nicht.

Mein Essen war auf massenhaft Müsli-Riegel, die ich in meiner Lenkertasche aufbewahrt hatte, um während des Fahrens etwas naschen zu können, Bananen & Äpfel, Nudeln & Reis, Gouda & Nutella, sowie Brot und Dosenravioli beschränkt. Das hat sich tatsächlich während der gesamten Fahrt auch kaum verändert und als ziemlich solide und lecker herausgestellt. Insgesamt habe ich sicher um die 2 Kilogramm Gouda, 2 Pötte Nutella und dutzende Brote verputzt.

Das tägliche Abendbrot im Zelt

Abgesehen von Kleinkram, wie z.B. Schmerzmittel & -creme, Pfotenpflege & Pansen für Woody, meinem Notizbuch & Kugelschreiber, meiner (Sonnen-)Brille & etwas Bargeld, war dies tatsächlich auch schon alles, was ich dabei hatte. Ich finde, dass ich mich bei den meisten Dingen auf das wesentliche beschränkt habe und kann behaupten, dass es während der gesamten Tour sehr wenig Dinge gab, die ich vermisst bzw, als zu viel angesehen hatte, was ihr auch an den beiden folgenden kleinen Abschnitten erlesen werdet.


 

Was war zuviel?

 


Auf meine Kopfhörer, die (Ersatz-)Batterien und eine Tupperdose, welche ich nur am ersten Tag verwendet hatte, hätte ich definitiv verzichten können. Auch bei dem Anfänglichen Proviant hätte ich etwas runterschrauben können, da ich mich und meine Fressattacken allerdings kenne, recht froh immer etwas mehr in Petto zu haben. Ansonsten fällt mir tatsächlich nichts ein, was ich nicht regelmäßig benutzt habe, bzw. in dringenden Fällen benötigt hätte (Flickzeug / Ersatzschlauch).


 

Was war zu wenig?

 


Im Grunde nichts, außer ein fehlender Fahrradständer. Beim Anlehnen meines Fahrrads an eine Wand, Stange, oder sonstigem, fiel dieses auf Grund der Last des Anhängers ziemlich oft um. Das werde ich also definitiv bald ändern. Ich werde mich hierbei wohl auf einen Zweibeinständer entscheiden, da ich befürchte, dass ich auf matschigem Boden mit einem Seitenständer einige Probleme haben würde mein Fahrrad aufzustellen.


 

Woody kann es kaum erwarten!

Die Taschen waren also nun gepackt, alle möglichen Gadgets ans Fahrrad und den Trailer per Kabelbinder oder auf andere unkonventionelle Weise befestigt und meine Gedanken hatten sich so langsam damit angefreundet, dass Woody & ich in wenigen Stunden unser erstes kleines Bike-Out-Abenteuer starten würden. Woody, der schlaue, sensible und natürlich beste Hund aller Zeiten, konnte die ganze Aufregung natürlich auch spüren, ist bei jedem kleinen Geräusch von draußen auf das Sofa gesprungen und hat herausgesehen, als würde er hinausschreiben wollen

„Meer, Wir kommen!“

Im Bett angekommen, es war schon weit nach Mitternacht, war ich natürlich so angespannt, dass ich noch einige Stunden wach lag und in meinem Kopf nochmal alles durch ging „ob ich nicht doch etwas vergessen hatte“. Irgendwann, Woody an meinen Füßen zuckend & schnarchend, bin ich dann doch noch eingeschlafen…


 

Der Link zur nächsten Seite ploppt hier irgendwann aus dem Nichts auf…